Die Geschichte des Patrick Sontheimer beginnt in Marktoberdorf. 18.000 Einwohner. Erholungsgebiet. Traumhafter Blick auf die Alpen. Doch Patrick schaut lieber auf den Ball. Als Knirps jagt er der Kugel beim FC Ebenhofen hinterher. Gehört sich auch so: Schließlich kommt er aus einer leidenschaftlichen Vussball-Vamilie. „Meine Mutter spielte früher im Sturm. Mein älterer Bruder auch. Mein Vater war im Mittelfeld zu finden, so wie ich“, erzählt der heute 23-Jährige.

Papa und Mama trainieren Patrick. Schließlich ist Vussball Vamiliensache. Patricks Talent spricht sich schnell rum. Der FC Memmingen klopft an. Es ist Zeit für den ersten Sprung. Von nun an wird ‚Sonti‘ dreimal die Woche in das 60 Kilometer nördlich gelegene Memmingen gefahren. Für den Verein ist der Junge etwas Besonderes, denn Sontheimer wird zu DFB-Stützpunkten eingeladen. „Ich war der Einzige, der nicht von einem der ganz großen Vereine kam“, erinnert sich der 1,68 m große Spieler an seine ersten Schritte im Talentförderprogramm des DFB. Doch es dauert nicht lange und einer der ‚großen Vereine‘ klopft an: Die SpVgg Greuther Fürth will den kleinen und wendigen Nachwuchsspieler für ihre U 16 gewinnen. „Ich hatte gar nicht vor, Vussballprofi zu werden“, lacht Sontheimer heute über die Situation, „eigentlich hatte ich schon begonnen, mir Gedanken über einen Ausbildungsplatz zu machen.“ Doch nach einem langen Gespräch mit seinen Eltern ist klar: Das Abenteuer beginnt. Koffer packen, ab nach Fürth. Mit gerade einmal 15 Jahren muss er in die Kleinstadt vor den Toren Nürnbergs ziehen. Plötzlich wird er entlassen in die große, fremde Vussballwelt…

Doch der Neuzugang im Nachwuchsleistungszentrum der Kleeblätter hat Glück: Anstatt ins Internat geht es für ihn und eine Handvoll gleichaltriger Mitspieler zu Heinz Krapf. Der Fürther Jugendtrainer baut das Dachgeschoss für die jungen Talente aus. „Wir haben alle bei ihm gewohnt. Seine Frau hat für uns gekocht und er hat mir schnell und streng klargemacht, wie es im Leistungssport läuft“, erinnert sich Sontheimer, „das Vamiliäre hat alles erleichtert. Und die Stimmung bei ihm war fantastisch.“ Seine Art zu spielen kommt gut an. „Es geht um Willenskraft. Ich habe mich in jeden und alles reingeschmissen. Sei er ein Schrank oder ein Kerl, der zwei Meter groß ist – das war mir egal“, lacht er, „deshalb nannte man mich bald ‚Kampfsau‘.“

Fürth wird zur zweiten Heimat für den Nachwuchsspieler, der gerne auch mit den Ultras seines Klubs auf Auswärtsfahrten fährt. Nach anderthalb Spielzeiten in der U 19 wird sein A-Jugend-Coach Interimstrainer der Kleeblätter in der 2. Bundesliga. Kurzerhand befördert er seine zwei besten Spieler, David Raum (heute TSG Hoffenheim) und Patrick Sontheimer, zu den Profis. „Nach vier Wochen Vorbereitungszeit stand vor der Partie gegen 1860 München mein Name an der Pinnwand“, erinnert sich Sonti an seinen ersten Profi-Einsatz zurück, „ich habe sofort meine Eltern angerufen.“ Keine sechs Wochen nachdem er das letzte Mal mit den Ultras zusammen auf den Rängen steht, winkt er ihnen in der Allianz-Arena vom Mittelkreis aus zu. „Auch wenn wir verloren haben, war es für mich ein Riesenerlebnis“, sagt Sontheimer und lächelt zufrieden. Doch nach zwei Spielzeiten bei den Profis steht ein Wechsel an. „Ich hätte mir vorstellen können, noch die nächsten 15 Jahre für Fürth zu spielen. Aber da die Einsatzzeiten immer weniger wurden, machte der Vussball weniger Spaß“, so der Mittelfeldspieler. In der Winterpause 2019 klopft der Drittligist Würzburger Kickers an. Für Sontheimer ist die 3. Liga kein Rückschritt. „Ich habe das nie als etwas Schlechtes gesehen, sondern etwas Positives“, sagt er und nimmt das Angebot an. Bei den Kickers kehrt der Spaß zurück. Schnell erarbeitet sich der Mittelfeldspieler einen Startplatz. „Ich habe meine Leistung gebracht und bekam dafür Spielpraxis“, erinnert er sich.

Es ist der Beginn einer wundervollen Geschichte. Ein Jahr später feiert er mit Würzburg den sensationellen Aufstieg. Zurück in Liga zwei. „Das war fantastisch! Aber ich hatte es meinen Mitspielern bereits in der Winterpause gesagt: Wenn man daran glaubt, ist einiges möglich!“ Das Abenteuer währt nur eine Saison. Die Kickers können die Klasse nicht halten. Und nach vielen neuen Trainern und Spielern will Sonti das Kapitel Würzburg beenden. „Dann erzählte mir Marcus Steegmann (Anm. d. Red. Sportlicher Leiter bei Viktoria Köln) von dem Konzept der Viktoria. Ich war sofort Feuer und Flamme“, so Sontheimer.

Also ab nach Köln, auf die Schäl Sick. Im Sommer zieht er mit seiner Freundin und seinen zwei Katzen in die Domstadt: Schon gut eingelebt, Patrick? „Ja, die Menschen in Köln sind offen und herzlich. Das gefällt mir besonders gut.“ Und den Fans gefällt es, dass man mit dem jungen Wilden einen furchtlosen und kompromisslosen Kämpfer verpflichtet hat. Einen Mentalitätsspieler, der perfekt in die Viktoria-Vamilie passt.

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Nach der langen Pause geht’s an den Tivoli

Ungewohnt lang war die 3. Liga-Pause in den vergangenen Wochen, doch nun findet sie ein Ende. Am Sonntag (16:30 Uhr) geht’s für Marian Wilhelm und seine Mannschaft an den Aachener Tivoli. Vor dem Re-Start in der Liga durften sowohl Viktoria als auch die Alemannia unter der Woche im Mittelrheinpokal ran. Beide Mannschaften trafen dabei auf einen Landesligisten: Viktoria gewann mit 2:0 beim SC Blau-Weiß 06 Köln, Aachen setzte sich bereits am Dienstagabend mit 5:0 gegen Grün-Weiß Brauweiler durch. Nun gilt der Fokus wieder der 3. Liga. Nach dem starken Saisonstart mit fünf Siegen aus sieben Spielen rangieren die Schäl-Sick-Jungs auf Platz zwei. Auch Aachen ist gut in die Saison gestartet und hat lediglich vier Zähler weniger auf dem Konto. Die Mannschaft von Mersad Selimbegovic startete mit einem beeindruckenden 4:1 gegen den SC Verl in die Saison und knüpfte damit an die starke Rückrunde der vergangenen Spielzeit an. Anschließend holte die Alemannia einen Punkt in der Kölner Südstadt (1:1) und verlor daheim gegen Meppen (0:3). Darauf folgten ein 3:0-Sieg in Ingolstadt, ein Heim-Remis gegen Regensburg (2:2), eine knappe Niederlage in Würzburg (0:1) und zuletzt der Heimerfolg gegen Düsseldorf (1:0). Auf Viktoria-Seite gab es mit dem Heimspiel gegen Regensburg (2:5) und der Partie in Essen (0:1) zwei Begegnungen, in denen die Mannschaft nicht als Sieger vom Platz ging. Die starken Leistungen gegen Stuttgart (3:1), Münster (4:1), Rostock (4:0), in Meppen (3:1) und gegen Ingolstadt (3:0) hingegen unterstreichen die starke Frühform der Mannschaft. Auch beim Test in der Länderspielpause gegen den 1. FC Köln (2:2) überzeugten die insgesamt 23 eingesetzten Viktoria-Profis. In der vergangenen Spielzeit waren es die Aachener, die mit ihrem Sturmduo für Furore sorgten. Lars Gindorf (28 Treffer) und Mika Schroers (21) bildeten den mit Abstand gefährlichsten Doppelsturm der Liga. Während Schroers weiterhin im Aachen-Trikot für Gefahr sorgt, steht Lars Gindorf mittlerweile bei Hannover 96 unter Vertrag. Schroers kommt in der laufenden Saison bislang auf drei Treffer, ebenso wie sein Teamkollege Lukas Scepanik. Das gefährlichste Trio der Liga kommt aktuell aus Köln: David Otto (6 Tore), Niklas Castelle und Lucas Wolf (jeweils 4) stellten ihre Qualitäten zum Saisonstart unter Beweis, insbesondere in der Englischen Woche vor der langen Länderspielpause. Gerade für Castelle dürfte die Partie am Sonntag eine besondere werden: Bevor sich der Offensivspieler im Sommer für den Schritt nach Köln-Höhenberg entschied, spielte er anderthalb Jahre lang als Leihspieler des SSV Ulm für die Alemannia. In 47 Spielen traf er dabei fünfmal. Tickets für das Spiel am Sonntag sind weiterhin erhältlich. Alle Fans, die mit in die Kaiserstadt reisen wollen, finden die wichtigsten Infos wie gewohnt unter www.viktoria1904.de/auswaerts.

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