Auch das zweite Spiel der Viktoria nach dem Tod ihres langjährigen Förderers und Wegbereiters Franz-Josef Wernze, der in der vergangenen Woche im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben war, endet 1:1..

„Ich bin aber nicht unglücklich, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben“, erklärte Cheftrainer Olaf Janßen nach der Punkteteilung gegen Borussia Dortmund II. „Ich bin glücklich, dass wir unserem Big-Boss an diesem besonderen Tag mit dem einen Punkt einen neuen Vereinsrekord schenken konnten.“ 52 Zähler stehen nun auf dem Konto der laufenden Saison, womit die Drittliga-Bestmarke aus der Spielzeit 2020/21 endgültig überboten wurde.

Rund um die Partie hatte die Viktoria zum Vamilientag eingeladen, im Sportpark wurden bunte Attraktionen wie Fußballdarts, eine eSport-Lounge, ein Glücksrad und mehrere Stationen der Viktoria-Vussballschule geboten. Und natürlich wollte die Viktoria-Vamilie Franz-Josef Wernze gebührend gedenken. Das Team spielte in Trauerflor, in einer Gedenkminute wurde für den Big Boss innegehalten, die Fans hatten ein Banner vorbereitet. Im VIP-Bereich konnten sich die Gäste in ein Kondolenzbuch eintragen.

„Das ist in Worte nicht zu fassen, ich könnte Abende füllen mit Geschichten, die ich mit ihm erleben durfte“, erklärte Sportvorstand Franz Wunderlich im Live-Interview mit MagentaSport, während er mit den Tränen kämpfte. „Mich hat die Nachricht sehr getroffen, obwohl man wusste, dass der Tag kommt. Man kann ihm nicht oft genug danke sagen. Wir werden alles daran setzen die Dinge so fortzusetzen, wie er sie auf den Weg gebracht hat.“

Wunderlich erzählte die Anekdote, als Wernze seinerzeit „mit 200 km/h“ aufs Gelände gefahren sei, ihm ein paar Rechnungen vor die Füße geworfen habe und eine Erklärung verlangte, „wie man für 3000 Euro Waschmaschinen kaufen kann“. Andererseits habe er den Verein aber dann stets in ganz anderen Dimensionen unterstützt und auch nie den Blick für Schwächere verloren: „So war er, er war unglaublich.“ 

Fußball gespielt wurde dann natürlich auch. Und das in Ansätzen durchaus sehenswert – jedoch leider nur in Ansätzen. Es gelang beiden Teams nicht, im letzten Drittel echte Abschlüsse zu kreieren. So resultierte die Gäste-Führung aus einem Freistoß: Ole Pohlmann traf Patrick Koronkiewicz am Kopf, den Abpraller jagte Can Özkan von der Strafraumgrenze volley ins Netz  – Traumtor zum 0:1. Koronkiewicz lag benommen am Boden, musste behandelt werden, konnte aber dann weiter spielen.

Die Viktoria schaltete nun einen Gang höher, doch Mike Wunderlich scheiterte zunächst an Keeper Marcel Lotka, seine anschließende Chip-Flanke köpfte Simon Handle nur an die Latte. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, kam Robin Meißner aussichtsreich zum Abschluss, verzog aber am linken Pfosten vorbei.

„Dortmund hat eine sehr gute Mannschaft, warum sie unten stehen, weiß man nicht so recht, es ist eine verdiente Führung“ attestierte Viktorias neuer Sportlicher Leiter Stephan Küsters im Halbzeit-Interview: „Aber unsere Jungs haben oft beweisen; dass sie zurückkommen können, ich freue mich mal drauf.“

Küsters sollte recht behalten – und wem sonst als Mike Wunderlich hätte es an diesem Tag vorbehalten sein sollen, den Ausgleich zu erzielen? Der 37–jährige, der in wenigen Wochen seine aktive Karriere beenden wird, hat den Weg der Viktoria unter Franz-Josef Wernze mitbegleitet und mitgeprägt wie kein anderer Spieler. In der 71. Minute überwand er Lotka nach Vorlage des eingewechselten Luca Marseiler. Wunderlich lief jubelnd zur Ehrenloge, wo Familie Wernze neben dem Foto des Verstorbenen FJW saß. Wunderlich ballte die Faust in Richtung Familie, dann gen Himmel. Na klar, dieses Tor wollte er dem Big Boss unbedingt schenken.

„Wir hatten eine sehr enge Bindung, eine sehr persönliche Beziehung“, erklärte Wunderlich nach dem Spiel: „Ich habe Franz-Josef Wernze viel zu verdanken, er hat mir in meiner schwersten Zeit sehr geholfen. Wenn man dann auf den Platz schaut, wo unser Boss jahrelang gesessen hat, das bleibt unvergessen, und es hat auch weh getan, auch schon in der Schweigeminute.“  

Mit etwas Glück hätte man das Spiel noch gewinnen können, erklärte Wunderlich, wollte aber nicht hadern: „Wenn man es so sagen darf, ist das Sportliche heute Nebensache gewesen.“

Viktoria Köln: Ben Voll – Jamil Siebert, Michael Schultz, Lars Dietz – Patrick Koronkiewicz (46. Niklas May), Moritz Fritz, Patrick Sontheimer (46. Luca Marseiler), Simon Handle (83. Florian Heister) – Marcel Risse (46. André Becker), Mike Wunderlich – Robin Meisner (76. Seokju Hong)

Tore: 0:1 Can Özkan (28.), 1:1 Mike Wunderlich (71.)

Zuschauer: 3.712

Schiedsrichter: Jonas Brombacher

Gelbe Karten:

Köln: Jamil Siebert, Niklas May

Dortmund: Antonios Papadopoulos, Can Özkan

Viktoria – das V steht für Vussball! 

Weitere aktuelle Nachrichten zu Viktoria Köln findet Ihr hier!

Tickets & Fanartikel

#Viktorianer

Weitere Beiträge

Aktuelles

Nach der langen Pause geht’s an den Tivoli

Ungewohnt lang war die 3. Liga-Pause in den vergangenen Wochen, doch nun findet sie ein Ende. Am Sonntag (16:30 Uhr) geht’s für Marian Wilhelm und seine Mannschaft an den Aachener Tivoli. Vor dem Re-Start in der Liga durften sowohl Viktoria als auch die Alemannia unter der Woche im Mittelrheinpokal ran. Beide Mannschaften trafen dabei auf einen Landesligisten: Viktoria gewann mit 2:0 beim SC Blau-Weiß 06 Köln, Aachen setzte sich bereits am Dienstagabend mit 5:0 gegen Grün-Weiß Brauweiler durch. Nun gilt der Fokus wieder der 3. Liga. Nach dem starken Saisonstart mit fünf Siegen aus sieben Spielen rangieren die Schäl-Sick-Jungs auf Platz zwei. Auch Aachen ist gut in die Saison gestartet und hat lediglich vier Zähler weniger auf dem Konto. Die Mannschaft von Mersad Selimbegovic startete mit einem beeindruckenden 4:1 gegen den SC Verl in die Saison und knüpfte damit an die starke Rückrunde der vergangenen Spielzeit an. Anschließend holte die Alemannia einen Punkt in der Kölner Südstadt (1:1) und verlor daheim gegen Meppen (0:3). Darauf folgten ein 3:0-Sieg in Ingolstadt, ein Heim-Remis gegen Regensburg (2:2), eine knappe Niederlage in Würzburg (0:1) und zuletzt der Heimerfolg gegen Düsseldorf (1:0). Auf Viktoria-Seite gab es mit dem Heimspiel gegen Regensburg (2:5) und der Partie in Essen (0:1) zwei Begegnungen, in denen die Mannschaft nicht als Sieger vom Platz ging. Die starken Leistungen gegen Stuttgart (3:1), Münster (4:1), Rostock (4:0), in Meppen (3:1) und gegen Ingolstadt (3:0) hingegen unterstreichen die starke Frühform der Mannschaft. Auch beim Test in der Länderspielpause gegen den 1. FC Köln (2:2) überzeugten die insgesamt 23 eingesetzten Viktoria-Profis. In der vergangenen Spielzeit waren es die Aachener, die mit ihrem Sturmduo für Furore sorgten. Lars Gindorf (28 Treffer) und Mika Schroers (21) bildeten den mit Abstand gefährlichsten Doppelsturm der Liga. Während Schroers weiterhin im Aachen-Trikot für Gefahr sorgt, steht Lars Gindorf mittlerweile bei Hannover 96 unter Vertrag. Schroers kommt in der laufenden Saison bislang auf drei Treffer, ebenso wie sein Teamkollege Lukas Scepanik. Das gefährlichste Trio der Liga kommt aktuell aus Köln: David Otto (6 Tore), Niklas Castelle und Lucas Wolf (jeweils 4) stellten ihre Qualitäten zum Saisonstart unter Beweis, insbesondere in der Englischen Woche vor der langen Länderspielpause. Gerade für Castelle dürfte die Partie am Sonntag eine besondere werden: Bevor sich der Offensivspieler im Sommer für den Schritt nach Köln-Höhenberg entschied, spielte er anderthalb Jahre lang als Leihspieler des SSV Ulm für die Alemannia. In 47 Spielen traf er dabei fünfmal. Tickets für das Spiel am Sonntag sind weiterhin erhältlich. Alle Fans, die mit in die Kaiserstadt reisen wollen, finden die wichtigsten Infos wie gewohnt unter www.viktoria1904.de/auswaerts.

Weiterlesen »
No more posts to show