Kai Klefisch ist ein Beispiel für die erfolgreiche Jugendarbeit in Höhenberg. 2016 wechselte er von Bayer Leverkusen zur Viktoria, spielte in der U17 und U19 und schaffte den Sprung zu den Profis. Der Mittelfeldspieler ist längst zu einem Leistungsträger herangewachsen. In dieser Saison stand er in allen 16 Spielen auf dem Platz und erzielte einen Treffer. Im Interview verrät der 21-Jährige, warum er noch bei seinen Eltern wohnt, wovon er als Kind geträumt hat, was auf den Essenstisch kommt und warum er den Fans der Viktoria dankbar ist. 

Wie sehr schmerzt die 0:4-Niederlage beim SV Meppen?

Sehr. Das tat schon weh. Vor allem deshalb, weil wir in der ersten Halbzeit das Spiel eigentlich im Griff hatten. Aber gerade in der zweiten Halbzeit waren wir zu offen, haben zu Kontern eingeladen und unsere großen Chancen nicht genutzt. Aber das haut uns nicht um. Jetzt heißt es: Mund abputzen und gegen Halle Vollgas geben.

Du bist ein absoluter Leistungsträger. Wie siehst du deine Rolle im Team?

Der Wegfall von Mike Wunderlich war für die Mannschaft eine große Umstellung, wir mussten deshalb gemeinsam mehr Führung übernehmen und aus seinem Schatten treten. Darin sehe ich aber auch meine Chance, mitzuwachsen und mich weiterzuentwickeln. Ich übernehme gerne mehr Verantwortung.

Musst Du lauter auf dem Platz werden? Mehr Anweisungen geben?

Ich scheue mich nicht davor, mal den Mund aufzumachen und meine Meinung zu sagen. Das gehört für mich zum Vussball dazu. Es kann auch mal laut werden, aber danach ist das Thema auch wieder gegessen.

Hilft es auch den Spielern, die aus der U 19 hoch zu den Profis gekommen sind, dass Du selbst noch in der Entwicklungsphase steckst?

Definitiv. In den letzten Jahren konnte ich viel Erfahrung sammeln und kann diese jetzt weitergeben. Die Jungs schauen vielleicht auf Spieler wie mich, weil ich den gleichen Weg wie sie gegangen bin.

Du bist im vergangenen Jahr von den Fans zum „Spieler des Jahres 2020“ sowie schon öfter zum Spieler des Monats gewählt worden. Was bedeutet dir diese Anerkennung?

Das ist für mich eine Ehre, eine Auszeichnung. Die Wertschätzung der Fans ist für mich sehr wichtig. Das zeigt, dass ich meinen Job scheinbar ganz gut mache und sie zufrieden mit mir sind. Ich möchte aber auch betonen, dass die Unterstützung der Fans in dieser Saison ganz besonders ist. Man merkt, wie Spieler und Anhänger zusammenstehen. Das ist wirklich klasse. Deshalb möchte ich den Fans auch einfach mal ein ‚Danke‘ sagen für den Support. Egal, ob zu Hause oder auswärts. Egal, ob in guten oder schlechten Zeiten.

Gibt es neben dem Vussball aktuell noch weitere Pläne? Oder konzentrierst du dich ausschließlich auf den Vussball?

Ich habe mir immer vorgenommen, dass ich mich nach meinem Abitur erst einmal auf den Vussball konzentriere. Für mich ist es jetzt kein großer Unterschied, ob ich mit 18 oder 22 Jahren studiere. Mal schauen, wo die Reise am Ende hingehen wird. Ich bin jung und habe noch einiges vor, deswegen mache ich mir keinen Druck. Aber ich finde es wichtig, auch in die Zukunft zu schauen. Vermutlich werde ich mich dann für einen Studiengang im Sportbereich entscheiden.

Wovon hast du als Kind geträumt?

Seit ich denken kann, wollte ich immer Vußballer werden. Etwas anderes gab es nicht. Und ich bin unfassbar stolz, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Es ist auch weiterhin mein größter Traum, mit dem Vussball etwas zu erreichen.

Du hast also deine Kindheit komplett mit dem Vussball verbracht?

Als Kind habe ich sehr viel Zeit und Energie in den Vussball gesteckt. Es war immer geil, jeden Tag nach der Schule zum Training zu gehen. Dieser Sport steht bei mir an erster Stelle. Dass ich aus meinem Hobby meinen Beruf gemacht habe, ist Weltklasse.

Deine zwei Brüder spielen auch Vussball. Der Kleinste, Ben, sogar bei RB Leipzig. Kann man da über andere Themen reden als Vussball?

Klefisch (lacht): Nee, keine Chance. Vussball und nix als Vussball. Dabei lege ich großen Wert auf die Meinung meiner Vamilie. Ben ist vor vier Jahren, als er 14 Jahre alt war, nach Leipzig gegangen. Wir facetimen oft. Ich versuche ihn so oft es geht zu besuchen. Mit der Bahn ist man ja schnell da. Er probiert auch so oft es geht, hierher zukommen.

Gegen den Halleschen FC hast du vor zwei Jahren deinen ersten Drittliga-Treffer erzielt. Denkst du noch öfter an dieses Tor zurück?

Auf jeden Fall. Zum damaligen Zeitpunkt war es ein ungemein wichtiges Spiel für uns. Mit meiner Vorlage und dem Tor konnte ich der Mannschaft helfen. Das war einer der schönsten Momente für mich im Profifußball. Zudem war es auch eine Art Traumtor. So etwas bleibt ewig im Kopf.

Du wohnst noch zu Hause. Keine Lust, selber zu waschen oder zu kochen?

Klefisch (lacht herzlich): Sagen wir es mal so: Ich kann auch selber meine Wäsche waschen, genieße aber natürlich die Unterstützung meiner Mutter. Sie hilft mir wirklich gerne. Und sie macht das auch viel besser als ich. Tja, und kochen… Da muss ich ehrlich sein – meine Mutter ist verdammt gut, das schmeckt bei ihr einfach viel besser. Wenn man noch bei der Familie wohnt, hat man schon einen größeren Luxus. Das nehme ich noch gerne mit (lacht). Und meine Eltern sind happy, dass ich noch bei ihnen lebe.

Was gibt es als Leibgericht von Kai’s Mama?

Ich liebe Klöße mit Rotkohl und Braten von meiner Mutter. Das ist überragend.

Wie hat sich die Viktoria in den letzten Jahren verändert?

Ich beginne mal so: Was sich auf jeden Fall nicht verändert hat, ist der familiäre Umgang im Verein. Die Verantwortlichen, die Mitarbeiter, die Spieler – wir sind alle eine große Vamilie. Das weiß ich sehr zu schätzen. Vor allem ist es fantastisch, was Franz-Josef Wernze für den Klub getan hat. Ohne ihn wäre die Viktoria nicht da, wo sie jetzt steht. Das ist wirklich große Klasse. Allgemein ist es in den letzten Jahren noch professioneller geworden. Was das Team hinter dem Team für den Verein und für uns als Mannschaft leistet, ist eindrucksvoll. Da kann man sich einfach nur wohlfühlen. Auch die Unterstützung der Zuschauer wächst immer stärker an. Außerdem finde ich es klasse, dass die Viktoria jetzt mehr auf soziale Themen eingeht. Nachhaltigkeitsprojekte sind wichtig, denn auch die kommende Generation soll eine lebenswerte Welt vorfinden.

Hast Du ein Vorbild?

Cristiano Ronaldo! Ich habe fast alle seine Spiele geschaut und seine Laufbahn intensiv verfolgt. Was er aus sich rausholt und aus sich gemacht hat, ist fantastisch. Speziell auf meiner Position gehört Toni Kroos zu den Spielern, die ganz oben in der Weltspitze stehen. Er verfügt über eine einzigartige Spielintelligenz und Technik. Zudem gefällt mir Arturo Vidal. Er ist ein wahres Mentalitätsmonster. Abseits des Platzes sind eindeutig meine Eltern meine Vorbilder. Ihnen habe ich alles zu verdanken. Mit drei Söhnen, die alle Vussball spielen, ist es schließlich nicht immer einfach. Aber sie haben sich für uns zerrissen. Das wissen wir sehr zu schätzen. Sie sorgten dafür, dass wir immer pünktlich beim Training waren und das machen konnten, was wir am meisten lieben – Kicken. Das ist nicht selbstverständlich. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir jetzt sind.

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Nach der langen Pause geht’s an den Tivoli

Ungewohnt lang war die 3. Liga-Pause in den vergangenen Wochen, doch nun findet sie ein Ende. Am Sonntag (16:30 Uhr) geht’s für Marian Wilhelm und seine Mannschaft an den Aachener Tivoli. Vor dem Re-Start in der Liga durften sowohl Viktoria als auch die Alemannia unter der Woche im Mittelrheinpokal ran. Beide Mannschaften trafen dabei auf einen Landesligisten: Viktoria gewann mit 2:0 beim SC Blau-Weiß 06 Köln, Aachen setzte sich bereits am Dienstagabend mit 5:0 gegen Grün-Weiß Brauweiler durch. Nun gilt der Fokus wieder der 3. Liga. Nach dem starken Saisonstart mit fünf Siegen aus sieben Spielen rangieren die Schäl-Sick-Jungs auf Platz zwei. Auch Aachen ist gut in die Saison gestartet und hat lediglich vier Zähler weniger auf dem Konto. Die Mannschaft von Mersad Selimbegovic startete mit einem beeindruckenden 4:1 gegen den SC Verl in die Saison und knüpfte damit an die starke Rückrunde der vergangenen Spielzeit an. Anschließend holte die Alemannia einen Punkt in der Kölner Südstadt (1:1) und verlor daheim gegen Meppen (0:3). Darauf folgten ein 3:0-Sieg in Ingolstadt, ein Heim-Remis gegen Regensburg (2:2), eine knappe Niederlage in Würzburg (0:1) und zuletzt der Heimerfolg gegen Düsseldorf (1:0). Auf Viktoria-Seite gab es mit dem Heimspiel gegen Regensburg (2:5) und der Partie in Essen (0:1) zwei Begegnungen, in denen die Mannschaft nicht als Sieger vom Platz ging. Die starken Leistungen gegen Stuttgart (3:1), Münster (4:1), Rostock (4:0), in Meppen (3:1) und gegen Ingolstadt (3:0) hingegen unterstreichen die starke Frühform der Mannschaft. Auch beim Test in der Länderspielpause gegen den 1. FC Köln (2:2) überzeugten die insgesamt 23 eingesetzten Viktoria-Profis. In der vergangenen Spielzeit waren es die Aachener, die mit ihrem Sturmduo für Furore sorgten. Lars Gindorf (28 Treffer) und Mika Schroers (21) bildeten den mit Abstand gefährlichsten Doppelsturm der Liga. Während Schroers weiterhin im Aachen-Trikot für Gefahr sorgt, steht Lars Gindorf mittlerweile bei Hannover 96 unter Vertrag. Schroers kommt in der laufenden Saison bislang auf drei Treffer, ebenso wie sein Teamkollege Lukas Scepanik. Das gefährlichste Trio der Liga kommt aktuell aus Köln: David Otto (6 Tore), Niklas Castelle und Lucas Wolf (jeweils 4) stellten ihre Qualitäten zum Saisonstart unter Beweis, insbesondere in der Englischen Woche vor der langen Länderspielpause. Gerade für Castelle dürfte die Partie am Sonntag eine besondere werden: Bevor sich der Offensivspieler im Sommer für den Schritt nach Köln-Höhenberg entschied, spielte er anderthalb Jahre lang als Leihspieler des SSV Ulm für die Alemannia. In 47 Spielen traf er dabei fünfmal. Tickets für das Spiel am Sonntag sind weiterhin erhältlich. Alle Fans, die mit in die Kaiserstadt reisen wollen, finden die wichtigsten Infos wie gewohnt unter www.viktoria1904.de/auswaerts.

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